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Rose vom Wörthersee  10.Oktober2009

Liebe Vereinskollegen und Ruderfreunde,

Auch heuer haben sich wieder einige wackere Friesen gefunden, um den Kärntner Wörthersee im Rahmen eines einzigartigen Sport-Events rudernd zu bezwingen. Wir konnten die „Rose vom Wörthersee“ äußerst erfolgreich absolvieren und somit das aktuelle Ruderjahr offiziell beenden.

Über die Teilnahme bei diesem Langstreckenrennen für Skiff-Ruderer wurde schon vieles berichtet, erzählt und diskutiert. Die einen belächeln, andere bemitleiden und der Rest der Szene greift sich einfach nur an den Kopf und lässt dem (n) Wahnsinn (igen) seinen (ihren) Lauf.

Meine Werbeaktivitäten für eine Teilnahme an dieser letzten Regatta des Jahres verliefen eher kurz und schmerzlos, zumindest im Vorfeld. Aufgrund der erst vor kurzem stattgefundenen MASTERS WM in Wien, stellte man sich nicht die Frage: „Wie komm’ ich über die 16 km Distanz?“, sondern tendenziell war die Stimmung eher euphorisch lässig angehaucht, nach dem Motto: „Wann kann ich mir den Siegerscheck abholen?“. Spaß beiseite, bis auf meine Wenigkeit wurde der RV Friesen heuer durch drei weitere Premierenteilnehmer vertreten, die allesamt Respekt vor dieser neuen Situation zeigten.

Folgende Meldeergebnis-Entwicklung konnten wir erzielen:

Rose 2007  … der RV-Friesen wurde durch 1 Teilnehmer vertreten

                         (M. KORNFEIND – „Christopher Columbus“ – oder Pionier der ersten Stunde)

Rose 2008  … der RV Friesen wurde durch 3 Teilnehmer vertreten

                         (M. KORNFEIND – „Mister Einmal ist Keinmal, Roland SCHUECKER, Dieter STANZEL)

Rose 2009  … der RV Friesen wurde durch 4 Teilnehmer vertreten:

  • Stephen BIWALD
  • Thomas LEOPOLD
  • Philipp KORNFEIND
  • Michael KORNFEIND (entwickelt sich mittlerweile zum Serientäter!!!!)

 

Die Rose vom Wörthersee 2009

 

1.       Das Qualifying,

War heuer kurz und schmerzlos. Jeder der mitmachen wollte und sich aus der mittlerweile sehr lasch gewordenen Ruderergruppe der Friesen exponiert hatte, war dabei. Gilt natürlich nur für die Ex-Leistungssportler oder Leistungsträger, heute fallen sie in die Kategorie „MASTER“. Einige werden sich vielleicht noch an die mittlerweile schon historische Bezeichnung „Veteranen“ erinnern können, trifft zumeist eher den Nagel auf den Kopf.

 

2.        Das (die) Training (s),

Aufgrund der Tatsache, dass sowohl Stephen als auch Thomas heuer bereits an der MASTERS WM Anfang September auf der neuen Donau starteten, standen die beiden Herren quasi „voll im Saft“. Hier musste lediglich an der Kür gearbeitet werden, sprich die Power, auch mit Skiff auf die Straße zu bringen. Beide fuhren ja bisher eher die etwas größeren Bootsklassen.

Philipp strapazierte das Bootsmaterial nicht unnötig und bündelte seinen gesamten Ehrgeiz und die spärlich zur Verfügung stehende Ausdauerleistung auf die beiden einzigen mir bekannten Trainingseinheiten am Ergometer. Dieses Schauspiel fand sicherheitshalber in den geschützten Räumlichkeiten des Instituts für Biomechanik auf der Schmelz, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, statt. Diese Tatsache ist besonders zu loben, da hierdurch nicht nur das Bootsmaterial geschont werden konnte, sondern auch die vereinseigenen Ergometer keinen Schweißtropfen abbekommen hatten. Damit eben diese beiden Einheiten auch tatsächlich Wirkung zeigen, konnte er still und heimlich unseren Herrn Papa mit seiner jahrzehntelangen Trainererfahrung als Coach gewinnen. Diese Tatsache sollte sich letztlich noch bezahlt machen.

Auch ich habe versucht, meinen Organismus professioneller auf die körperlichen Strapazen vorzubereiten. Speziell die blutigen Blasen an beiden Händen machen einem an den Tagen nach dem Wettkampf massiv zu schaffen. Da ich in den vergangenen Jahren bereits von meinen Arbeitskollegen gefragt wurde, seit wann ich auf „Joe-Lässig“ mache und in der Firma mit 3-Tagesbart erscheine, nahm ich mir fix vor, zumindest den Rasierer auch am Tag danach noch ordnungsgemäß bedienen zu können.

So nebenbei wollte ich auch schneller rudern als im vergangenen Jahr, soviel Ehrgeiz und Stolz hatte ich selbstverständlich. Ohne Ziel kein Grund über den See zu rudern, bis auf die beim RV Albatros wartenden Erfrischungen natürlich.

Aufgrund der optimal geplanten und vorbildlich exekutierten Wettkampfvorbereitung dieser mittlerweile ansehnlichen Elitetruppe des RV Friesen, konnte von einer Teilnehmerreduktion seitens des Vereinsvorstands abgesehen werden.

 

 

3.        Das Rennen,

Für unsere drei wackeren Vereinskollegen, Stephen, Thomas und Philipp war dies heuer die erste Teilnahme bei der „Rose vom Wörthersee“. Gemeinsam hatten wir bereits mehrmals die Ehre den RV Friesen beim „Blauen Band vom Wörthersee“ vertreten zu dürfen. Im Einer mit wahnwitziger Geschwindigkeit eine Distanz von 16 km zu absolvieren, war für diese Herren eine völlig neue und in ihrem Leben bisher noch nie da gewesene Erfahrung.

Unsere getunten Renngeräte wurden am Gelände der Jugendherberge „Cap Wörth“ eingestellt, die zugleich auch unser Quartier darstellte. Der offizielle Sektempfang Freitag Abend im Casino Velden mit einigen darauffolgenden Cocktails bescherte uns noch ein paar entspannende Momente, bevor es am Samstag so richtig zur Sache ging.

Aufgrund der wirklich schlechten, zumindest für eine Ruderregatta ziemlich unbrauchbaren, Wettervorhersage harrten alle Ruderer, die ihr Quartier in der Jugendherberge bezogen hatten, dem nächsten Morgengrauen. Bis auf den starken Regen kam alles wie prophezeit: kalt (~12°C) + Wind + Wellen am See. Der Tag war gerettet, zwar nur für Betreiber von Lichtspieltheatern, aber war eben so.

Die Morgenroutine absolvierten wir bravourös. Das Frühstück glitt mit vollster Konzentration auf das Rennen durch die Gurgel und prallte am leeren Magenboden auf. Thomas hatte zwecks Vermeidung jeglicher Ablenkung eine Nächtigung abseits von Jubel und Trubel bevorzugt und stieß schließlich erst wenige Minuten vor der Bootswasserung zu uns.

Zur individuellen Erheiterung der Teilnehmer führte die Sichtung von teilweise 3-stelligen Startnummern, welche die Betroffenen beim Anbringen derselben an ihrem Boot vor bisher noch nie dagewesene Probleme stellte. Wie oft montiert man in seinem Rudererleben eine Startnummer, die annähernd DIN A3 Format besitzt? Schließlich hörte man des Öfteren die Frage: „Wo ist da jetzt oben und unten?“ Vor allem die Ruderkollegen deren Nummer eine Häufung von 6-ern und / oder 9-ern aufwiesen.

Da wir als Stadtkinder ja immer vom Floß ins Boot hüpfen war ein Bootseinstieg aus dem Wasser keine Routine. Damit unser Herzerl gleich einen Vorgeschmack auf das bekommt was uns sogleich ereilen wird, war das erfrischende Wassertreten à la Kneipp eine fröhliche Abwechslung. Gratis Fußreflexzonenmassage sensibilisiert, speziell zu dieser Stunde. Körperüberziehende Gänsehaut war ebenfalls inkludiert.

Auch hier erlaubten wir uns keinen Ausrutscher. Elegant wuchteten wir unsere Muskelpakete in die mickrigen Schwimmkörper und ruderten zum Start Richtung Veldener Bucht. Unser Quartier, die Jugendherberge lag knapp 2km entfernt. Somit war ein zusätzliches Aufwärmen vor dem Start auch gleich hinfällig. Oberste Prämisse: Substanz schonen.

Das schier Unglaubliche geschah: Während sich die Skiff-Horde Richtung Start schob, lichteten sich die Wolken, der See beruhigte sich und der Wind ließ nach. Das brave Aufessen des Nachtmahles hatte sich anscheinend doch einmal bezahlt gemacht. Die Temperatur stieg so angenehm an, dass kurzfristig noch die langärmeligen T-Shirts ausgezogen werden konnten.

Man stelle sich das Szenario so vor: Mehr als 300 Skiff Ruderer, bis zu jeder einzelnen Haarwurzel topmotiviert und teilweise sogar durchtrainiert, bevölkern vor dem Start die Veldener Bucht. Wegen der heurigen Rekordteilnehmerzahl von mehr als 300 Ruderern hatte sich der Chef des Organisationskomitees, Willy Koska, dazu entschieden, die Startblöcke ein wenig zu verkleinern und setzte pro Startblock 20 bis max. 30 Boote zusammen, welche jeweils gleichzeitig das Rennen in Angriff nehmen durften. Philipp und ich starteten aus der 4. Gruppe, Stephen und Thomas nahmen aus der 5. Gruppe die Verfolgung der Spitze auf. Uns trennten nur schlappe 3 Minuten. Klingt viel, ist es aber definitiv nicht.

Ab nun war Schluss mit Lustig. Jeder saß in seinem Boot und war nun endgültig auf sich allein gestellt. Die Spannung war uns ins Gesicht geschrieben, ein falsches Wort zum Konkurrenten hätte vermutlich den Einsatz der abwartenden Wasserrettung verursacht.

Beinahe auf die Sekunde genau senkte sich um Punkt 11:00 Uhr die Flagge für die 1. Startgruppe mit den Favoriten auf den Gesamtsieg. Erstes Rauschen erklang. Einige Minuten danach sollte es in dieser Manier weitergehen, mein offizielles Startzeichen ereilte mich eher als erwünscht, lediglich ein übermotivierter Kollege aus Italien, welcher knapp neben mir ins Rennen gehen wollte, hatte es noch eiliger als der Rest.

Soweit mein Auge und die lebenserhaltenden Organe es erkennen ließen, kam auch die zweite Hälfte der Friesenmannschaft, Stephen und Thomas ohne gröbere Probleme vom Start weg. Bei dieser Anhäufung an Einern ist das nicht selbstverständlich.

Die Bedingungen am Wörthersee waren mittlerweile optimal, beinahe Windstille, Sonnenschein, eine angenehme Lufttemperatur von ~ 18°, was braucht man mehr?

Nach knapp einer Stunde konnte man bereits die beiden riesigen signalrot leuchtenden Zielbojen beim Bootshaus des RV Albatros erkennen. Vermutlich hatten diese beiden Farbpunkte am Horizont bei allen Teilnehmern Erleichterung ausgelöst. Tapfer und nach hartem Kampf mit Boot und Materie (trotz Windstille trafen immer wieder Wellen das Boot, die kein Lercherl - Sch … waren) erreichten alle vier gestarteten Friesen Boote das Ziel beim RV Albatros. Das Damoklesschwert des kollektiven Multiorganversagens konnte noch knapp verhindert werden.

 

 

4.        Die Analyse,

Nachdem der Herzschlag wieder den hausärztlich empfohlenen Frequenzbereich erreichte, realisierten wir erstmals unseren persönlichen Erfolg. Die genussvollen Düfte der Grillstation auf der Sonnenterasse des Bootshauses ereilten uns bereits wenige Meter nach dem Überqueren der Ziellinie. Wenn Schweiß nur immer so heilende Wirkung zeigen würde, wie das Schwitzen von Bratwürsten und Kotellets in ihrer letzten Stunde, so hätte sportliche Betätigung vermutlich ungeahnten Zulauf.

Hier die tatsächlich äußerst erfolgreichen Einzelergebnisse:

Start Nr.

Name

Klasse

Zeit

Klassenrang

Gesamtrang

96

BIWALD Stephen

MMB

1:09:31

2. (von 26)

14. (von 261)

97

LEOPOLD Thomas

MMB

1:10:21

4. (von 26)

23. (von 261)

71

KORNFEIND Philipp

MMA

1:15:21

7. (von 14)

80. (von 261)

70

KORNFEIND Michael

MMB

1:16:36

10. (von 14)

99. (von 261)

Ich möchte mich bei unseren drei Ruderkollegen recht herzlich bedanken, wir haben als Lackenruderer aus der Großstadt ein historisches Ergebnis eingefahren:

In der langjährigen Geschichte des Rudervereins Friesen Wien ist es heuer erstmals gelungen, einen Podestplatz zu errudern. Thomas schrammte mit seinem 4. Platz nur um schlappe 14 Sekunden am 3. Platz vorbei. Sportlich eine Spitzenleistung unserer beiden „echten“ Masters Ruderer.

Die Tatsache berücksichtigt, dass Philipp erstmals in Kärnten seine Rennmaschine, es ist das neueste, zugleich leichteste und vermutlich auch schnellste 1x Boot des RV Friesen, in Betrieb nahm, ist die geruderte Zeit ebenfalls hoch einzustufen.

In der Mannschaftswertung konnten die drei schnellsten Friesen den insgesamt 7. Gesamtrang errudern, wobei 31 Mannschaften gewertet wurden. Die von mir geruderte Zeit fiel aufgrund der schwächelnden Leistung leider in die Kategorie „Streichresultat“, anderseits ermöglichte ich damit die Basis für die tolle Mannschaftswertung.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass wir heuer als RV Friesen bei dieser mittlerweile zum 10. Mal stattfindenden Langstreckenregatta die historisch gesehen größte Mannschaft, mit 4 Ruderern an den Start bringen konnten.

Mein Dank gilt auch Thomas Drucker vom WRK Argonauten, der die Organisation der Unterkunft als auch den Bootstransport unserer Renngerätschaft durchführte. Die unzähligen tollen Bilder sind Zeitzeugen dieses wunderbaren Spektakels am Fuße des Pyramidenkogels.

 

5.        Das Fazit,

… wie der allseits bekannte Roberto Blanco bereits 1972 trällerte: „… ein bisschen Spaß muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein“ (© Roberto Blanco)

Diese durch Willy Koska und sein Team professionell organisierte Ruderregatta hat sich mittlerweile weit über die Grenzen unseres Alpenlandes hinaus einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Ein reibungsloser Rennablauf, das tolle Wetter im sonnigen Süden Österreichs und zu guter Letzt auch das gute Bier machten uns die Stunden in Kärnten zu einem Leckerbissen im alljährlichen Ruderkalender. Einer weiteren Teilnahme im kommenden Jahre steht nun eigentlich nichts mehr im Wege. Und die Herausforderungen gehen weiter, vielleicht kämpfen im Jahre 2010 ja wieder einige Friesen gegen die Uhr (und ihren inneren Schweinehund).

Jedem, der noch nie das Flair dieses Großereignisses miterlebt hat, sollten diese Zeilen Anreiz genug sein, um bei der „Rose vom Wörthersee – 2010 “ dabei zu sein.

Für ganz eifrige Trainierer: Termin steht bereits fest: 9. Oktober 2010, Start 11:00 Uhr, Bucht von Velden

 

Euer

Michael Kornfeind

 

oder Christopher Columbus des RV Friesen


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