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Liebe
Vereinskollegen und Ruderfreunde,
Auch heuer
haben sich wieder einige wackere Friesen gefunden, um
den Kärntner Wörthersee im Rahmen eines einzigartigen
Sport-Events rudernd zu bezwingen. Wir konnten die „Rose
vom Wörthersee“ äußerst erfolgreich absolvieren und
somit das aktuelle Ruderjahr offiziell beenden.
Über die
Teilnahme bei diesem Langstreckenrennen für
Skiff-Ruderer wurde schon vieles berichtet, erzählt und
diskutiert. Die einen belächeln, andere bemitleiden und
der Rest der Szene greift sich einfach nur an den Kopf
und lässt dem (n) Wahnsinn (igen) seinen (ihren) Lauf.
Meine
Werbeaktivitäten für eine Teilnahme an dieser letzten
Regatta des Jahres verliefen eher kurz und schmerzlos,
zumindest im Vorfeld. Aufgrund der erst vor kurzem
stattgefundenen MASTERS WM in Wien, stellte man sich
nicht die Frage: „Wie komm’ ich über die 16 km
Distanz?“, sondern tendenziell war die Stimmung eher
euphorisch lässig angehaucht, nach dem Motto: „Wann kann
ich mir den Siegerscheck abholen?“. Spaß beiseite, bis
auf meine Wenigkeit wurde der RV Friesen heuer durch
drei weitere Premierenteilnehmer vertreten, die allesamt
Respekt vor dieser neuen Situation zeigten.
Folgende
Meldeergebnis-Entwicklung konnten wir erzielen:
Rose 2007
… der RV-Friesen wurde durch 1 Teilnehmer vertreten
(M. KORNFEIND – „Christopher
Columbus“ – oder Pionier der ersten Stunde)
Rose 2008
… der RV Friesen wurde durch 3 Teilnehmer vertreten
(M. KORNFEIND – „Mister
Einmal ist Keinmal“,
Roland SCHUECKER, Dieter STANZEL)
Rose 2009
… der RV Friesen wurde durch 4 Teilnehmer vertreten:
-
Stephen
BIWALD
-
Thomas
LEOPOLD
-
Philipp
KORNFEIND
-
Michael
KORNFEIND (entwickelt
sich mittlerweile zum Serientäter!!!!)
Die Rose
vom Wörthersee 2009
1.
Das
Qualifying,
War heuer
kurz und schmerzlos. Jeder der mitmachen wollte und sich
aus der mittlerweile sehr lasch gewordenen Ruderergruppe
der Friesen exponiert hatte, war dabei. Gilt natürlich
nur für die Ex-Leistungssportler oder Leistungsträger,
heute fallen sie in die Kategorie „MASTER“. Einige
werden sich vielleicht noch an die mittlerweile schon
historische Bezeichnung „Veteranen“ erinnern können,
trifft zumeist eher den Nagel auf den Kopf.
2.
Das (die)
Training (s),
Aufgrund
der Tatsache, dass sowohl Stephen als auch Thomas heuer
bereits an der MASTERS WM Anfang September auf der neuen
Donau starteten, standen die beiden Herren quasi „voll
im Saft“. Hier musste lediglich an der Kür gearbeitet
werden, sprich die Power, auch mit Skiff auf die Straße
zu bringen. Beide fuhren ja bisher eher die etwas
größeren Bootsklassen.
Philipp
strapazierte das Bootsmaterial nicht unnötig und
bündelte seinen gesamten Ehrgeiz und die spärlich zur
Verfügung stehende Ausdauerleistung auf die beiden
einzigen mir bekannten Trainingseinheiten am Ergometer.
Dieses Schauspiel fand sicherheitshalber in den
geschützten Räumlichkeiten des Instituts für Biomechanik
auf der Schmelz, unter Ausschluss der Öffentlichkeit,
statt. Diese Tatsache ist besonders zu loben, da
hierdurch nicht nur das Bootsmaterial geschont werden
konnte, sondern auch die vereinseigenen Ergometer keinen
Schweißtropfen abbekommen hatten. Damit eben diese
beiden Einheiten auch tatsächlich Wirkung zeigen, konnte
er still und heimlich unseren Herrn Papa mit seiner
jahrzehntelangen Trainererfahrung als Coach gewinnen.
Diese Tatsache sollte sich letztlich noch bezahlt
machen.
Auch ich
habe versucht, meinen Organismus professioneller auf die
körperlichen Strapazen vorzubereiten. Speziell die
blutigen Blasen an beiden Händen machen einem an den
Tagen nach dem Wettkampf massiv zu schaffen. Da ich in
den vergangenen Jahren bereits von meinen
Arbeitskollegen gefragt wurde, seit wann ich auf „Joe-Lässig“
mache und in der Firma mit 3-Tagesbart erscheine, nahm
ich mir fix vor, zumindest den Rasierer auch am Tag
danach noch ordnungsgemäß bedienen zu können.
So nebenbei
wollte ich auch schneller rudern als im vergangenen
Jahr, soviel Ehrgeiz und Stolz hatte ich
selbstverständlich. Ohne Ziel kein Grund über den See zu
rudern, bis auf die beim RV Albatros wartenden
Erfrischungen natürlich.
Aufgrund
der optimal geplanten und vorbildlich exekutierten
Wettkampfvorbereitung dieser mittlerweile ansehnlichen
Elitetruppe des RV Friesen, konnte von einer
Teilnehmerreduktion seitens des Vereinsvorstands
abgesehen werden.
3.
Das Rennen,
Für unsere
drei wackeren Vereinskollegen, Stephen, Thomas und
Philipp war dies heuer die erste Teilnahme bei der „Rose
vom Wörthersee“. Gemeinsam hatten wir bereits mehrmals
die Ehre den RV Friesen beim „Blauen Band vom
Wörthersee“ vertreten zu dürfen. Im Einer mit
wahnwitziger Geschwindigkeit eine Distanz von 16 km zu
absolvieren, war für diese Herren eine völlig neue und
in ihrem Leben bisher noch nie da gewesene Erfahrung.
Unsere
getunten Renngeräte wurden am Gelände der Jugendherberge
„Cap Wörth“ eingestellt, die zugleich auch unser
Quartier darstellte. Der offizielle Sektempfang Freitag
Abend im Casino Velden mit einigen darauffolgenden
Cocktails bescherte uns noch ein paar entspannende
Momente, bevor es am Samstag so richtig zur Sache ging.
Aufgrund
der wirklich schlechten, zumindest für eine Ruderregatta
ziemlich unbrauchbaren, Wettervorhersage harrten alle
Ruderer, die ihr Quartier in der Jugendherberge bezogen
hatten, dem nächsten Morgengrauen. Bis auf den starken
Regen kam alles wie prophezeit: kalt (~12°C) + Wind +
Wellen am See. Der Tag war gerettet, zwar nur für
Betreiber von Lichtspieltheatern, aber war eben so.
Die
Morgenroutine absolvierten wir bravourös. Das Frühstück
glitt mit vollster Konzentration auf das Rennen durch
die Gurgel und prallte am leeren Magenboden auf. Thomas
hatte zwecks Vermeidung jeglicher Ablenkung eine
Nächtigung abseits von Jubel und Trubel bevorzugt und
stieß schließlich erst wenige Minuten vor der
Bootswasserung zu uns.
Zur
individuellen Erheiterung der Teilnehmer führte die
Sichtung von teilweise 3-stelligen Startnummern, welche
die Betroffenen beim Anbringen derselben an ihrem Boot
vor bisher noch nie dagewesene Probleme stellte. Wie oft
montiert man in seinem Rudererleben eine Startnummer,
die annähernd DIN A3 Format besitzt? Schließlich hörte
man des Öfteren die Frage: „Wo ist da jetzt oben und
unten?“ Vor allem die Ruderkollegen deren Nummer eine
Häufung von 6-ern und / oder 9-ern aufwiesen.
Da wir als
Stadtkinder ja immer vom Floß ins Boot hüpfen war ein
Bootseinstieg aus dem Wasser keine Routine. Damit unser
Herzerl gleich einen Vorgeschmack auf das bekommt was
uns sogleich ereilen wird, war das erfrischende
Wassertreten à la Kneipp eine fröhliche Abwechslung.
Gratis Fußreflexzonenmassage sensibilisiert, speziell zu
dieser Stunde. Körperüberziehende Gänsehaut war
ebenfalls inkludiert.
Auch hier
erlaubten wir uns keinen Ausrutscher. Elegant wuchteten
wir unsere Muskelpakete in die mickrigen Schwimmkörper
und ruderten zum Start Richtung Veldener Bucht. Unser
Quartier, die Jugendherberge lag knapp 2km entfernt.
Somit war ein zusätzliches Aufwärmen vor dem Start auch
gleich hinfällig. Oberste Prämisse: Substanz schonen.
Das schier
Unglaubliche geschah: Während sich die Skiff-Horde
Richtung Start schob, lichteten sich die Wolken, der See
beruhigte sich und der Wind ließ nach. Das brave
Aufessen des Nachtmahles hatte sich anscheinend doch
einmal bezahlt gemacht. Die Temperatur stieg so angenehm
an, dass kurzfristig noch die langärmeligen T-Shirts
ausgezogen werden konnten.
Man stelle
sich das Szenario so vor: Mehr als 300 Skiff Ruderer,
bis zu jeder einzelnen Haarwurzel topmotiviert und
teilweise sogar durchtrainiert, bevölkern vor dem Start
die Veldener Bucht. Wegen der heurigen
Rekordteilnehmerzahl von mehr als 300 Ruderern hatte
sich der Chef des Organisationskomitees, Willy Koska,
dazu entschieden, die Startblöcke ein wenig zu
verkleinern und setzte pro Startblock 20 bis max. 30
Boote zusammen, welche jeweils gleichzeitig das Rennen
in Angriff nehmen durften. Philipp und ich starteten aus
der 4. Gruppe, Stephen und Thomas nahmen aus der 5.
Gruppe die Verfolgung der Spitze auf. Uns trennten nur
schlappe 3 Minuten. Klingt viel, ist es aber definitiv
nicht.
Ab nun war
Schluss mit Lustig. Jeder saß in seinem Boot und war nun
endgültig auf sich allein gestellt. Die Spannung war uns
ins Gesicht geschrieben, ein falsches Wort zum
Konkurrenten hätte vermutlich den Einsatz der
abwartenden Wasserrettung verursacht.
Beinahe auf
die Sekunde genau senkte sich um Punkt 11:00 Uhr die
Flagge für die 1. Startgruppe mit den Favoriten auf den
Gesamtsieg. Erstes Rauschen erklang. Einige Minuten
danach sollte es in dieser Manier weitergehen, mein
offizielles Startzeichen ereilte mich eher als
erwünscht, lediglich ein übermotivierter Kollege aus
Italien, welcher knapp neben mir ins Rennen gehen
wollte, hatte es noch eiliger als der Rest.
Soweit mein
Auge und die lebenserhaltenden Organe es erkennen
ließen, kam auch die zweite Hälfte der
Friesenmannschaft, Stephen und Thomas ohne gröbere
Probleme vom Start weg. Bei dieser Anhäufung an Einern
ist das nicht selbstverständlich.
Die
Bedingungen am Wörthersee waren mittlerweile optimal,
beinahe Windstille, Sonnenschein, eine angenehme
Lufttemperatur von ~ 18°, was braucht man mehr?
Nach knapp
einer Stunde konnte man bereits die beiden riesigen
signalrot leuchtenden Zielbojen beim Bootshaus des RV
Albatros erkennen. Vermutlich hatten diese beiden
Farbpunkte am Horizont bei allen Teilnehmern
Erleichterung ausgelöst. Tapfer und nach hartem Kampf
mit Boot und Materie (trotz Windstille trafen immer
wieder Wellen das Boot, die kein Lercherl - Sch … waren)
erreichten alle vier gestarteten Friesen Boote das Ziel
beim RV Albatros. Das Damoklesschwert des kollektiven
Multiorganversagens konnte noch knapp verhindert werden.
4.
Die
Analyse,
Nachdem der
Herzschlag wieder den hausärztlich empfohlenen
Frequenzbereich erreichte, realisierten wir erstmals
unseren persönlichen Erfolg. Die genussvollen Düfte der
Grillstation auf der Sonnenterasse des Bootshauses
ereilten uns bereits wenige Meter nach dem Überqueren
der Ziellinie. Wenn Schweiß nur immer so heilende
Wirkung zeigen würde, wie das Schwitzen von Bratwürsten
und Kotellets in ihrer letzten Stunde, so hätte
sportliche Betätigung vermutlich ungeahnten Zulauf.
Hier die
tatsächlich äußerst erfolgreichen Einzelergebnisse:
|
Start Nr. |
Name |
Klasse |
Zeit |
Klassenrang |
Gesamtrang |
|
96 |
BIWALD Stephen |
MMB |
1:09:31 |
2.
(von 26) |
14.
(von 261) |
|
97 |
LEOPOLD Thomas |
MMB |
1:10:21 |
4.
(von 26) |
23.
(von 261) |
|
71 |
KORNFEIND Philipp |
MMA |
1:15:21 |
7.
(von 14) |
80.
(von 261) |
|
70 |
KORNFEIND Michael |
MMB |
1:16:36 |
10.
(von 14) |
99.
(von 261) |
Ich möchte
mich bei unseren drei Ruderkollegen recht herzlich
bedanken, wir haben als Lackenruderer aus der Großstadt
ein historisches Ergebnis eingefahren:
In der
langjährigen Geschichte des Rudervereins Friesen Wien
ist es heuer erstmals gelungen, einen Podestplatz zu
errudern. Thomas schrammte mit seinem 4. Platz nur um
schlappe 14 Sekunden am 3. Platz vorbei. Sportlich eine
Spitzenleistung unserer beiden „echten“ Masters Ruderer.
Die
Tatsache berücksichtigt, dass Philipp erstmals in
Kärnten seine Rennmaschine, es ist das neueste, zugleich
leichteste und vermutlich auch schnellste 1x Boot des RV
Friesen, in Betrieb nahm, ist die geruderte Zeit
ebenfalls hoch einzustufen.
In der
Mannschaftswertung konnten die drei schnellsten Friesen
den insgesamt 7. Gesamtrang errudern, wobei 31
Mannschaften gewertet wurden. Die von mir geruderte Zeit
fiel aufgrund der schwächelnden Leistung leider in die
Kategorie „Streichresultat“, anderseits ermöglichte ich
damit die Basis für die tolle Mannschaftswertung.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass wir heuer
als RV Friesen bei dieser mittlerweile zum 10. Mal
stattfindenden Langstreckenregatta die historisch
gesehen größte Mannschaft, mit 4 Ruderern an den Start
bringen konnten.
Mein Dank
gilt auch Thomas Drucker vom WRK Argonauten, der die
Organisation der Unterkunft als auch den Bootstransport
unserer Renngerätschaft durchführte. Die unzähligen
tollen Bilder sind Zeitzeugen dieses wunderbaren
Spektakels am Fuße des Pyramidenkogels.
5.
Das Fazit,
… wie der
allseits bekannte Roberto Blanco bereits 1972 trällerte:
„… ein bisschen Spaß muss sein, dann ist die Welt voll
Sonnenschein“ (© Roberto Blanco)
Diese durch
Willy Koska und sein Team professionell organisierte
Ruderregatta hat sich mittlerweile weit über die Grenzen
unseres Alpenlandes hinaus einen ausgezeichneten Ruf
erarbeitet. Ein reibungsloser Rennablauf, das tolle
Wetter im sonnigen Süden Österreichs und zu guter Letzt
auch das gute Bier machten uns die Stunden in Kärnten zu
einem Leckerbissen im alljährlichen Ruderkalender. Einer
weiteren Teilnahme im kommenden Jahre steht nun
eigentlich nichts mehr im Wege. Und die
Herausforderungen gehen weiter, vielleicht kämpfen im
Jahre 2010 ja wieder einige Friesen gegen die Uhr (und
ihren inneren Schweinehund).
Jedem, der
noch nie das Flair dieses Großereignisses miterlebt hat,
sollten diese Zeilen Anreiz genug sein, um bei der „Rose
vom Wörthersee – 2010 “ dabei zu sein.
Für ganz
eifrige Trainierer: Termin steht bereits fest: 9.
Oktober 2010, Start 11:00 Uhr, Bucht von Velden
Euer
Michael Kornfeind
oder
Christopher Columbus des RV Friesen
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