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Liebe
Vereinskollegen und Ruderfreunde!
Der Kampf
um die Rose vom Wörthersee 2008 ist geschlagen und somit
neigt sich das heurige Ruderjahr wieder dem Ende zu.
Über die
Teilnahme bei diesem Langstreckenrennen für
Skiff-Ruderer wurde schon vieles berichtet und
diskutiert. Die einen belächeln, andere bemitleiden und
der Rest der Szene greift sich einfach nur an den Kopf
und lässt dem Wahn seinen Lauf.
Die
vereinsinternen Sondierungsgespräche über eine heurige
Teilnahme verliefen ähnlich erfolgreich wie die
Koalitionsgespräche unserer letzten Regierungsparteien,
nämlich langsamer als schleppend. Als „Routinier“ bei
diesem Skiff Marathon konnte ich ja persönlich bereits
auf die unbezahlbare Erfahrung einer einzigen
Wörhterseequerung im Jahr 2007 zurückgreifen.
Nach meiner
glamourösen Heimkehr von der Rose im vergangenen Jahr
haben sich einige meiner Vereinskollegen zu unachtsam
ausgesprochenen Wortspenden hinreißen lassen. Locker
flockig meinten sie: „Im nächsten Jahr sind wir auch
dabei, weil so schnell wie Du fahren wir immer noch“ In
diesem Augenblick war mir klar: Diese Herren wissen noch
nicht welche Schmerzen ihnen diese Worte verursachen
werden. Mir fiel sofort ein aktueller Werbeslogan eines
bekannten Baumarkts ein, der hier passte wie kein
anderer:
„… Schweiß
fließt, wenn Muskeln weinen!“ (© by Hornbach). Diese
Tränen werden hier zur Genüge fließen.
Zum Schluss
hatten wir folgende Ausgangssituation:
Rose 2007
… der RV-Friesen war mit einem Boot vertreten
Rose 2008
… der RV Friesen könnte mit insgesamt 4 Booten am Start
sein
Gesagt
getan, vor einigen Wochen nahte der Meldeschlusstermin
für die Rose 2008 mit Riesenschritten. Ein Blick in
unser Vereinslogbuch sollte uns aber eines Besseren
belehren. Ein Kilometerstand, der gerade mal die
Zweistelligkeit überwunden hatte, stellt nicht gerade
die optimale Basis für eine Langstreckenregatta über 16
km dar.
Streng nach
unserem Motto „Mut kann man sich nicht kaufen!“ ging es
hier nicht nur um die Sache selbst, sondern um den
ureigenen Stolz des Mannes, nämlich um die Ehre. Zum
jetzigen Zeitpunkt noch einen Rückzieher zu machen,
völlig undenkbar.
Die Rose vom Wörthersee 2008
Das
Qualifying:
Unsere
Trainingseinheiten fielen kurz aber intensiv aus.
Schließlich hatten wir nur knappe 3 Wochen Zeit, um
unsere muskellosen Körper zu stählen. Aufgrund
persönlicher Gründe wurde aus den anfänglich 4 Friesen
schlussendlich ein 3er Team. Bei meiner ersten heurigen
Ausfahrt im Einer konnte ich bis auf das hürdenlose
Auffinden der richtigen Ruder noch keine optimale Form
erkennen. Das erste Training glich einer aufwändig
inszenierten Bootswaschung. Viel mehr war da noch nicht
zu sehen. Durch die geschickt geplanten Trainingstermine
meiner Mitstreiter erfuhren wir gegenseitig nur mittels
schriftlicher Aufzeichnungen in welchem Umfang die
gezielte Staubschichtentfernung stattfand. Dass es sich
schon lange nicht mehr um das Einfache „ … dabei sein
und ins Ziel kommen“ handelt, war nun auch schriftlich
dokumentiert.
Da ich es
schließlich geschafft habe, Dieter in seiner bisher mehr
als 2 ½ Jahrzehnte (!) alten Ruderkarriere zur Teilnahme
an einer Skiff Marathonregatta zu überreden ging es
mittlerweile um die Ehre, was für uns Männer eigentlich
doch viel wichtiger ist als alles andere. Klingt nicht
spektakulär, ist es aber. Für alle Sportbegeisterten die
sich noch nicht zu den Mitgliedern des RV Friesen zählen
dürfen sei erwähnt, dass ein Skiff Boot welches durch
Dieters roher Manneskraft über die Wogen der Alten Donau
gepeitscht wird ebenso oft gesichtet wird, wie Roy Black
als Vorgruppe von Metallica.
Roland ging
die Vorbereitung bereits um einiges professioneller an.
Das Ziel dieser Anstrengungen war klar: Sieg in der
internen Friesenwertung. Während wir uns intensiv mit
der mittlerweile traditionellen Regenerationspause über
die Sommermonate Mai bis inkl. August retteten, hat
unser Roli seine Muskelfasern während seines geheim
abgehaltenen Sommertrainingscamps im sonnigen Kroatien
wertvolle Sekunden herausgearbeitet.
Bootskilometer sind das eine, aber halt nicht alles. Es
sei noch erwähnt, dass unsere lieben Ruderfreunde des RV
Albatros ja nicht nur für ein hohes Schmerzpotential
sorgen können, sondern auch für das genussvolle
leibliche Wohl. Nach vollbrachter Arbeit geht es
glücklicherweise in die zweite Rennhälfte, dem
Ausgleichen von verlorener Flüssigkeit und
Körpersubstanz. Um hier nicht zu straucheln gilt es, das
Training auch dementsprechend zu gestalten. Nach knapp
80 Minuten höchster Belastung stellt die Stemmarbeit des
Hopfenblütenteegefäßes den Organismus vor die letzten
großen Hürden des Tages.
Aufgrund
der optimal geplanten und vorbildlich exekutierten
Wettkampfvorbereitung dieser kleinen Elitetruppe, konnte
von einer Teilnehmerreduktion seitens des
Vereinsvorstands abgesehen werden.
Abschließend kann ich nur sagen: Das Geist war immer
willig, das Fleisch war leider des Öfteren müde.
Immerhin haben wir es aber geschafft, dass die Rose
nicht zwangsläufig zu einer Verdopplung unser Skiff
Kilometer geführt hat.
Das Rennen:
Für meine
beiden tapferen Vereinskollegen, Roland und Dieter, war
dies die erste Teilnahme bei der Rose vom Wörthersee.
Gemeinsam hatten wir bereits mehrmals die Ehre den RV
Friesen beim Blauen Band vom Wörthersee vertreten zu
dürfen. Im Einer mit wahnwitziger Geschwindigkeit eine
Distanz von 16 km zu absolvieren war für diese beiden
Herren eine völlig neue und in ihrem Leben bisher noch
nie erlebte Erfahrung.
Unsere
getunten Renngeräte harrten am Gelände der
Jugendherberge „Cap Wörth“, die auch zugleich das
Quartier von Roland und mir war, des Renntages. Der
offizielle Sektempfang im Casino Velden bescherte uns
noch ein paar entspannende Momente, bevor es am Samstag
so richtig zur Sache ging.
Die letzten
Stunden vor DEM sportlichen Jahreshöhepunkt im
Doppelbett einer Jugendherberge neben Roli verbringen zu
dürfen hatten auch ungeahntes Motivationspotential. Der
Feueralarm, der uns um kurz vor 5:00 Uhr morgens die
Lider hochschnellen ließ, war der Abschluss einer
optimalen Rennvorbereitung.
Während des
Frühstücksbuffets konnten wir trotz intensiver
Nachforschungen den (die) Verursacher nicht mehr
eruieren. Selbst wir mussten uns beschuldigen lassen des
nächtens einen Glühstrumpf gehei ... zu haben.
Die
Morgenroutine absolvierten wir bravourös. Dieter stieß
überpünktlich zu uns und wir verpassten unseren Booten
das abschließende Renntuning. Startnummernmontage,
Trockentest der Dolle, Auffinden der eigenen Ruder, usw.
Die größte Herausforderung war das Entfernen eines
Schadens am Schwert von Dieters Renngerät. Hier hatte
sich vermutlich ein aussichtsloser Konkurrent zu einem
Racheakt hinreißen lassen und fügte dem mickrigen
Blechteil ein Cut zu, das die Wasserangriffsfläche
verdoppelte! Anstelle der originalen Blechdicke von 1mm
war eine lokale Flachstelle von 2mm Breite erkennbar.
Sofort war klar, hier werden wertvollste Sekunden
aufgefressen, also weg damit. Mit wenigen Handgriffen
konnte die professionelle Mechanikercrew diesen Mangel
beheben, aus der Flachstelle wurde eine beinahe
messerscharfe Vorderkante. Autsch ! Uns war klar: Dieses
Boot fährt nicht nur von Velden nach Klagenfurt, nein,
hier wird sich das Wasser spalten.
Da wir als
Stadtkinder ja immer vom Floß ins Boot hüpfen war ein
Bootseinstieg aus dem Wasser keine Routine. Damit unser
Herzerl gleich einen Vorgeschmack auf das bekommt was
uns sogleich ereilen wird, war die Kneipp-Therapie beim
Einsteigen eine fröhliche Abwechslung. Wer kann schon
von sich behaupten, Mitte Oktober mit nackten Füssen im
16° warmen Wörthersee die Fußreflexzonen sensibilisiert
zu haben. Körperüberziehende Gänsehaut garantiert.
Auch hier
erlaubten wir uns keinen Ausrutscher. Elegant wuchteten
wir unsere Muskelpakete in die mickrigen Schwimmkörper
und ruderten zum Start Richtung Veldener Bucht. Unser
Quartier, die Jugendherberge, lag knapp 2 km entfernt.
Somit war ein zusätzliches Aufwärmen vor dem Start auch
gleich hinfällig. Oberste Prämisse: Substanz schonen.
Aufgrund
der heurigen Rekordteilnehmerzahl von 260 Einer-Ruderern
war die gesamte Bucht mit Ruderern gefüllt, die bis zur
letzten Haarwurzel topmotiviert und teilweise sogar
durchtrainiert waren. Aufgrund der heuer stark
angestiegenen Teilnehmerzahl hatte sich der Chef des
Organisationskomitees, Willy Koska, dazu entschieden,
anstelle der 50 (!) Boote pro Startblock nur mit
schlappen 30 Einern pro Gruppe zu starten. Ich durfte
aus der 2. Gruppe starten, Dieter und Roland nahmen aus
der 3. Gruppe die Verfolgung der Spitze auf. Uns
trennten nur schlappe 3 Minuten. Klingt viel, ist es
aber nicht.
Ab nun war
Schluss mit lustig. Jeder saß in seinem Boot und war nun
endgültig auf sich allein gestellt. Die Spannung war uns
ins Gesicht geschrieben, ein falsches Wort zum
Konkurrenten hätte vermutlich den Einsatz der örtlichen
Exekutive zur Folge gehabt.
Als
Startschiedsrichterin fungierte ein Urgestein der
Österreichischen Schiedsrichterriege, unsere Elisabeth „Lisl“
Smetana. Auf die Sekunde genau senkte sich um Punkt
11:00 Uhr die Flagge für die 1. Startgruppe mit den
Favoriten auf den Gesamtsieg. Erstes Rauschen erklang.
Drei Minuten danach sollte es in dieser Manier
weitergehen, mein offizielles Startzeichen ereilte mich
eher als erwünscht, lediglich ein übermotivierter
Kollege aus Italien, der knapp neben mir ins Rennen
gehen wollte, hatte es noch eiliger als der Rest. Er
dachte doch glatt dass er den unbestechlichen Augen
unserer Lisl entkommen konnte und riss bereits in der
nach den ersten ausgesprochenen Buchstaben des Kommandos
„Attention“ an seinen Rudern, der Rest des Startblocks
blieb unbeeindruckt liegen. Sichtlich überrascht
goutierte Lisl die Aktion mit den Worten „ … nau wos is
?“ War zwar kein astreines Italienisch, verstanden hat
es unser Gast aber dennoch. Einige Sekunden später hatte
er einige Schläge zurückgerudert, danach lief alles
glatt.
Soweit mein
Auge und die lebenserhaltenden Organe es erkennen
ließen, kamen auch die zwei anderen Drittel unseres
Teams, Dieter und Roland, ohne gröbere Probleme vom
Start weg. Bei dieser Anhäufung an Einern ist das nicht
selbstverständlich. Die ersten Kilometer gestalteten
sich zäher als erhofft, da ich mich permanent durch das
Heckwasser der Startsprinter kämpfen musste. Aufgrund
unserer eher mäßigen Vorbereitung war dies nicht gerade
überraschend, aber trotzdem lästig.
Am Horizont
konnte ich Dieter in seinem neon-pinkfarbigen Renngerät
erkennen, knapp neben ihm brachte Roland das Wasser zum
Kochen. Der von Dieter hartnäckig eingeschlagene, eher
am Nordufer gelegene, Kurs war die konsequente Umsetzung
seiner Renntaktik. Auch wenn die meisten seiner
Konkurrenten die vermeintlich kürzere Kursvariante
einschlugen, hatte Dieter doch einige Trittbrettfahrer
angezogen, die aber im weiteren Rennverlauf zermürbt
wurden und nur mehr das sprudelnde Heckwasser vorgesetzt
bekamen.
Aufgrund
der Vorbereitung und unserer inneren Stimmen tippten wir
im Vorfeld auf unseren Roli, wenn das Gespräch auf den
Sieg der Friesenwertung ging. Dementsprechend groß war
der physio- und psychologische Druck, der auf mir
lastete. Schließlich sah ich permanent, dass mich meine
beiden Kollegen rastlos verfolgten, von Aufgabe,
geschweige ein wenig Druck nachlassen, keine Spur.
Die
Bedingungen am Wörthersee waren optimal, Windstille,
Sonnenschein, eine Lufttemperatur von min. 20° C, was
braucht man mehr?
Nach knapp
einer Stunde konnte man bereits die beiden riesigen
signalrot leuchtenden Zielbojen beim Bootshaus des RV
Albatros erkennen. Vermutlich hatten diese beiden
Farbpunkte am Horizont bei allen Teilnehmern
Erleichterung ausgelöst. Tapfer und nach hartem Kampf
mit Boot und Materie (trotz Windstille trafen immer
wieder Wellen das Boot, die kein Lercherlsch … waren)
erreichten alle drei gestarteten Friesen-Boote das Ziel
in Klagenfurt. Ein kollektives Multiorganversagen konnte
noch knapp verhindert werden.
Die Analyse:
Nachdem der
Herzschlag wieder den ärztlich empfohlenen
Frequenzbereich erreichte, realisierten wir erstmals
unseren persönlichen Erfolg. Die genussvollen Düfte der
Grillstation auf der Sonnenterasse des Bootshauses
ereilten uns bereits wenige Meter nach dem Überqueren
der Ziellinie. Wenn Schweiß nur immer so heilende
Wirkung zeigen würde wie das Schwitzen von Grillwürsten
und Koteletts in ihrer letzten Stunde, so hätte
sportliche Betätigung vermutlich ungeahnten Zulauf.
Hier unsere
Einzelergebnisse:
|
Start Nr. |
Name |
Klasse |
Zeit |
Schnitt / km |
Klassenrang |
Gesamtrang |
|
52 |
KORNFEIND Michael |
MMA |
1:17:18 |
4 ´
49,8 ´´ |
8.
(von 9) |
115. (von 240) |
|
76 |
SCHUECKER Roland |
MMB |
1:17:25 |
4 ´
50,3 ´´ |
17.
(von 24) |
119. (von 240) |
|
71 |
STANZEL Dieter |
MMB |
1:20:09 |
5 ´
00,6 ´´ |
19.
(von 24) |
146. (von 240) |
Hier unser
Mannschaftsergebnis (Summe aus den drei besten
gewerteten Einzelergebnissen):
|
Start Nr. |
Name |
Klasse |
Zeit |
Schnitt / km |
Klassenrang |
Gesamtrang |
|
- |
RV Friesen Wien |
- |
3:54:52 |
4´
53,6 ´´ |
- |
24.
(von 30) |
Abschließend möchte ich mich bei meinen beiden
Ruderkollegen recht herzlich bedanken, wir haben als
Lackenruderer aus der Großstadt ein historisches
Ergebnis eingefahren.
In der
langjährigen Geschichte des Rudervereins Friesen Wien
hatten bisher noch nie drei Teilnehmer bei der Rose vom
Wörthersee teilgenommen. Obacht dem Mut sämtlicher
Teilnehmer, sich trotz eingeschränkter Vorbereitung
dieser Herausforderung zu stellen. Dank gilt auch dem
Obmann des WRK Argonauten, Thomas Drucker, der unser
Renngerät auf deren Bootsanhänger unbeschadet
transportieren ließ.
Das Fazit:
… wie schon
der allseits bekannte Roberto Blanco anno 1972
trällerte: „… ein bisschen Spaß muss sein, dann ist die
Welt voll Sonnenschein“
Diese durch
Willy Koska und sein Team professionell organisierte
Ruderregatta hat sich mittlerweile weit über die Grenzen
unseres Alpenlandes hinaus einen ausgezeichneten Ruf
erarbeitet. Ein reibungsloser Rennablauf, das tolle
Wetter im sonnigen Süden Österreichs und zu guter Letzt
auch das gute Bier machten uns die Stunden in Kärnten zu
einem Leckerbissen im alljährlichen Ruderkalender. Einer
weiteren Teilnahme im kommenden Jahre steht nun
eigentlich Nichts mehr im Wege. Vielleicht kämpfen im
Jahre 2009 zwei Friesen Teams um die Vorherrschaft am
Wörthersee.
Jedem, der
noch nie das Flair dieses Großereignisses miterlebt hat,
sollte dieser Erlebnisaufsatz Anreiz genug sein, um bei
der „Rose vom Wörthersee – 2009 “ seine Muskeln zum
Weinen zu bringen.
Die
Rosenkavaliere des RV Friesen, Roland Schuecker,
Dieter Stanzel und Michael Kornfeind
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