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Rose vom Wörthersee  11.Oktober2008

Liebe Vereinskollegen und Ruderfreunde!

Der Kampf um die Rose vom Wörthersee 2008 ist geschlagen und somit neigt sich das heurige Ruderjahr wieder dem Ende zu.

Über die Teilnahme bei diesem Langstreckenrennen für Skiff-Ruderer wurde schon vieles berichtet und diskutiert. Die einen belächeln, andere bemitleiden und der Rest der Szene greift sich einfach nur an den Kopf und lässt dem Wahn seinen Lauf.

Die vereinsinternen Sondierungsgespräche über eine heurige Teilnahme verliefen ähnlich erfolgreich wie die Koalitionsgespräche unserer letzten Regierungsparteien, nämlich langsamer als schleppend. Als „Routinier“ bei diesem Skiff Marathon konnte ich ja persönlich bereits auf die unbezahlbare Erfahrung einer einzigen Wörhterseequerung im Jahr 2007 zurückgreifen.

Nach meiner glamourösen Heimkehr von der Rose im vergangenen Jahr haben sich einige meiner Vereinskollegen zu unachtsam ausgesprochenen Wortspenden hinreißen lassen. Locker flockig meinten sie: „Im nächsten Jahr sind wir auch dabei, weil so schnell wie Du fahren wir immer noch“ In diesem Augenblick war mir klar: Diese Herren wissen noch nicht welche Schmerzen ihnen diese Worte verursachen werden. Mir fiel sofort ein aktueller Werbeslogan eines bekannten Baumarkts ein, der hier passte wie kein anderer:

„… Schweiß fließt, wenn Muskeln weinen!“ (© by Hornbach). Diese Tränen werden hier zur Genüge fließen.

Zum Schluss hatten wir folgende Ausgangssituation:

Rose 2007  … der RV-Friesen war mit einem Boot vertreten

Rose 2008  … der RV Friesen könnte mit insgesamt 4 Booten am Start sein

Gesagt getan, vor einigen Wochen nahte der Meldeschlusstermin für die Rose 2008 mit Riesenschritten. Ein Blick in unser Vereinslogbuch sollte uns aber eines Besseren belehren. Ein Kilometerstand, der gerade mal die Zweistelligkeit überwunden hatte, stellt nicht gerade die optimale Basis für eine Langstreckenregatta über 16 km dar.

Streng nach unserem Motto „Mut kann man sich nicht kaufen!“ ging es hier nicht nur um die Sache selbst, sondern um den ureigenen Stolz des Mannes, nämlich um die Ehre. Zum jetzigen Zeitpunkt noch einen Rückzieher zu machen, völlig undenkbar.

 

Die Rose vom Wörthersee 2008

Das Qualifying:

Unsere Trainingseinheiten fielen kurz aber intensiv aus. Schließlich hatten wir nur knappe 3 Wochen Zeit, um unsere muskellosen Körper zu stählen. Aufgrund persönlicher Gründe wurde aus den anfänglich 4 Friesen schlussendlich ein 3er Team. Bei meiner ersten heurigen Ausfahrt im Einer konnte ich bis auf das hürdenlose Auffinden der richtigen Ruder noch keine optimale Form erkennen. Das erste Training glich einer aufwändig inszenierten Bootswaschung. Viel mehr war da noch nicht zu sehen. Durch die geschickt geplanten Trainingstermine meiner Mitstreiter erfuhren wir gegenseitig nur mittels schriftlicher Aufzeichnungen in welchem Umfang die gezielte Staubschichtentfernung stattfand. Dass es sich schon lange nicht mehr um das Einfache „ … dabei sein und ins Ziel kommen“ handelt, war nun auch schriftlich dokumentiert.

Da ich es schließlich geschafft habe, Dieter in seiner bisher mehr als 2 ½ Jahrzehnte (!) alten Ruderkarriere zur Teilnahme an einer Skiff Marathonregatta zu überreden ging es mittlerweile um die Ehre, was für uns Männer eigentlich doch viel wichtiger ist als alles andere. Klingt nicht spektakulär, ist es aber. Für alle Sportbegeisterten die sich noch nicht zu den Mitgliedern des RV Friesen zählen dürfen sei erwähnt, dass ein Skiff Boot welches durch Dieters roher Manneskraft über die Wogen der Alten Donau gepeitscht wird ebenso oft gesichtet wird, wie Roy Black als Vorgruppe von Metallica.

Roland ging die Vorbereitung bereits um einiges professioneller an. Das Ziel dieser Anstrengungen war klar: Sieg in der internen Friesenwertung. Während wir uns intensiv mit der mittlerweile traditionellen Regenerationspause über die Sommermonate Mai bis inkl. August retteten, hat unser Roli seine Muskelfasern während seines geheim abgehaltenen Sommertrainingscamps im sonnigen Kroatien wertvolle Sekunden herausgearbeitet.

Bootskilometer sind das eine, aber halt nicht alles. Es sei noch erwähnt, dass unsere lieben Ruderfreunde des RV Albatros ja nicht nur für ein hohes Schmerzpotential sorgen können, sondern auch für das genussvolle leibliche Wohl. Nach vollbrachter Arbeit geht es glücklicherweise in die zweite Rennhälfte, dem Ausgleichen von verlorener Flüssigkeit und Körpersubstanz. Um hier nicht zu straucheln gilt es, das Training auch dementsprechend zu gestalten. Nach knapp 80 Minuten höchster Belastung stellt die Stemmarbeit des Hopfenblütenteegefäßes den Organismus vor die letzten großen Hürden des Tages.

Aufgrund der optimal geplanten und vorbildlich exekutierten Wettkampfvorbereitung dieser kleinen Elitetruppe, konnte von einer Teilnehmerreduktion seitens des Vereinsvorstands abgesehen werden.

Abschließend kann ich nur sagen: Das Geist war immer willig, das Fleisch war leider des Öfteren müde. Immerhin haben wir es aber geschafft, dass die Rose nicht zwangsläufig zu einer Verdopplung unser Skiff Kilometer geführt hat.

 

Das Rennen:

Für meine beiden tapferen Vereinskollegen, Roland und Dieter, war dies die erste Teilnahme bei der Rose vom Wörthersee. Gemeinsam hatten wir bereits mehrmals die Ehre den RV Friesen beim Blauen Band vom Wörthersee vertreten zu dürfen. Im Einer mit wahnwitziger Geschwindigkeit eine Distanz von 16 km zu absolvieren war für diese beiden Herren eine völlig neue und in ihrem Leben bisher noch nie erlebte Erfahrung.

Unsere getunten Renngeräte harrten am Gelände der Jugendherberge „Cap Wörth“, die auch zugleich das Quartier von Roland und mir war, des Renntages. Der offizielle Sektempfang im Casino Velden bescherte uns noch ein paar entspannende Momente, bevor es am Samstag so richtig zur Sache ging.

Die letzten Stunden vor DEM sportlichen Jahreshöhepunkt im Doppelbett einer Jugendherberge neben Roli verbringen zu dürfen hatten auch ungeahntes Motivationspotential. Der Feueralarm, der uns um kurz vor 5:00 Uhr morgens die Lider hochschnellen ließ, war der Abschluss einer optimalen Rennvorbereitung.

Während des Frühstücksbuffets konnten wir trotz intensiver Nachforschungen den (die) Verursacher nicht mehr eruieren. Selbst wir mussten uns beschuldigen lassen des nächtens einen Glühstrumpf gehei ... zu haben.

Die Morgenroutine absolvierten wir bravourös. Dieter stieß überpünktlich zu uns und wir verpassten unseren Booten das abschließende Renntuning. Startnummernmontage, Trockentest der Dolle, Auffinden der eigenen Ruder, usw. Die größte Herausforderung war das Entfernen eines Schadens am Schwert von Dieters Renngerät. Hier hatte sich vermutlich ein aussichtsloser Konkurrent zu einem Racheakt hinreißen lassen und fügte dem mickrigen Blechteil ein Cut zu, das die Wasserangriffsfläche verdoppelte! Anstelle der originalen Blechdicke von 1mm war eine lokale Flachstelle von 2mm Breite erkennbar. Sofort war klar, hier werden wertvollste Sekunden aufgefressen, also weg damit. Mit wenigen Handgriffen konnte die professionelle Mechanikercrew diesen Mangel beheben, aus der Flachstelle wurde eine beinahe messerscharfe Vorderkante. Autsch ! Uns war klar: Dieses Boot fährt nicht nur von Velden nach Klagenfurt, nein, hier wird sich das Wasser spalten.

Da wir als Stadtkinder ja immer vom Floß ins Boot hüpfen war ein Bootseinstieg aus dem Wasser keine Routine. Damit unser Herzerl gleich einen Vorgeschmack auf das bekommt was uns sogleich ereilen wird, war die Kneipp-Therapie beim Einsteigen eine fröhliche Abwechslung. Wer kann schon von sich behaupten, Mitte Oktober mit nackten Füssen im 16° warmen Wörthersee die Fußreflexzonen sensibilisiert zu haben. Körperüberziehende Gänsehaut garantiert.

Auch hier erlaubten wir uns keinen Ausrutscher. Elegant wuchteten wir unsere Muskelpakete in die mickrigen Schwimmkörper und ruderten zum Start Richtung Veldener Bucht. Unser Quartier, die Jugendherberge, lag knapp 2 km entfernt. Somit war ein zusätzliches Aufwärmen vor dem Start auch gleich hinfällig. Oberste Prämisse: Substanz schonen.

Aufgrund der heurigen Rekordteilnehmerzahl von 260 Einer-Ruderern war die gesamte Bucht mit Ruderern gefüllt, die bis zur letzten Haarwurzel topmotiviert und teilweise sogar durchtrainiert waren. Aufgrund der heuer stark angestiegenen Teilnehmerzahl hatte sich der Chef des Organisationskomitees, Willy Koska, dazu entschieden, anstelle der 50 (!) Boote pro Startblock nur mit schlappen 30 Einern pro Gruppe zu starten. Ich durfte aus der 2. Gruppe starten, Dieter und Roland nahmen aus der 3. Gruppe die Verfolgung der Spitze auf. Uns trennten nur schlappe 3 Minuten. Klingt viel, ist es aber nicht.

Ab nun war Schluss mit lustig. Jeder saß in seinem Boot und war nun endgültig auf sich allein gestellt. Die Spannung war uns ins Gesicht geschrieben, ein falsches Wort zum Konkurrenten hätte vermutlich den Einsatz der örtlichen Exekutive zur Folge gehabt.

Als Startschiedsrichterin fungierte ein Urgestein der Österreichischen Schiedsrichterriege, unsere Elisabeth „Lisl“ Smetana. Auf die Sekunde genau senkte sich um Punkt 11:00 Uhr die Flagge für die 1. Startgruppe mit den Favoriten auf den Gesamtsieg. Erstes Rauschen erklang. Drei Minuten danach sollte es in dieser Manier weitergehen, mein offizielles Startzeichen ereilte mich eher als erwünscht, lediglich ein übermotivierter Kollege aus Italien, der knapp neben mir ins Rennen gehen wollte, hatte es noch eiliger als der Rest. Er dachte doch glatt dass er den unbestechlichen Augen unserer Lisl entkommen konnte und riss bereits in der nach den ersten ausgesprochenen Buchstaben des Kommandos „Attention“ an seinen Rudern, der Rest des Startblocks blieb unbeeindruckt liegen. Sichtlich überrascht goutierte Lisl die Aktion mit den Worten „ … nau wos is ?“ War zwar kein astreines Italienisch, verstanden hat es unser Gast aber dennoch. Einige Sekunden später hatte er einige Schläge zurückgerudert, danach lief alles glatt.

Soweit mein Auge und die lebenserhaltenden Organe es erkennen ließen, kamen auch die zwei anderen Drittel unseres Teams, Dieter und Roland, ohne gröbere Probleme vom Start weg. Bei dieser Anhäufung an Einern ist das nicht selbstverständlich. Die ersten Kilometer gestalteten sich zäher als erhofft, da ich mich permanent durch das Heckwasser der Startsprinter kämpfen musste. Aufgrund unserer eher mäßigen Vorbereitung war dies nicht gerade überraschend, aber trotzdem lästig.

Am Horizont konnte ich Dieter in seinem neon-pinkfarbigen Renngerät erkennen, knapp neben ihm brachte Roland das Wasser zum Kochen. Der von Dieter hartnäckig eingeschlagene, eher am Nordufer gelegene, Kurs war die konsequente Umsetzung seiner Renntaktik. Auch wenn die meisten seiner Konkurrenten die vermeintlich kürzere Kursvariante einschlugen, hatte Dieter doch einige Trittbrettfahrer angezogen, die aber im weiteren Rennverlauf zermürbt wurden und nur mehr das sprudelnde Heckwasser vorgesetzt bekamen.

Aufgrund der Vorbereitung und unserer inneren Stimmen tippten wir im Vorfeld auf unseren Roli, wenn das Gespräch auf den Sieg der Friesenwertung ging. Dementsprechend groß war der physio- und psychologische Druck, der auf mir lastete. Schließlich sah ich permanent, dass mich meine beiden Kollegen rastlos verfolgten, von Aufgabe, geschweige ein wenig Druck nachlassen, keine Spur.

Die Bedingungen am Wörthersee waren optimal, Windstille, Sonnenschein, eine Lufttemperatur von min. 20° C, was braucht man mehr?

Nach knapp einer Stunde konnte man bereits die beiden riesigen signalrot leuchtenden Zielbojen beim Bootshaus des RV Albatros erkennen. Vermutlich hatten diese beiden Farbpunkte am Horizont bei allen Teilnehmern Erleichterung ausgelöst. Tapfer und nach hartem Kampf mit Boot und Materie (trotz Windstille trafen immer wieder Wellen das Boot, die kein Lercherlsch … waren) erreichten alle drei gestarteten Friesen-Boote das Ziel in Klagenfurt. Ein kollektives Multiorganversagen konnte noch knapp verhindert werden.

 

Die Analyse:

Nachdem der Herzschlag wieder den ärztlich empfohlenen Frequenzbereich erreichte, realisierten wir erstmals unseren persönlichen Erfolg. Die genussvollen Düfte der Grillstation auf der Sonnenterasse des Bootshauses ereilten uns bereits wenige Meter nach dem Überqueren der Ziellinie. Wenn Schweiß nur immer so heilende Wirkung zeigen würde wie das Schwitzen von Grillwürsten und Koteletts in ihrer letzten Stunde, so hätte sportliche Betätigung vermutlich ungeahnten Zulauf.

Hier unsere Einzelergebnisse:

 

Start Nr.

Name

Klasse

Zeit

Schnitt / km

Klassenrang

Gesamtrang

52

KORNFEIND Michael

MMA

1:17:18

4 ´ 49,8 ´´

8. (von 9)

115. (von 240)

76

SCHUECKER Roland

MMB

1:17:25

4 ´ 50,3 ´´

17. (von 24)

119. (von 240)

71

STANZEL Dieter

MMB

1:20:09

5 ´ 00,6 ´´

19. (von 24)

146. (von 240)

 

Hier unser Mannschaftsergebnis (Summe aus den drei besten gewerteten Einzelergebnissen):

 

Start Nr.

Name

Klasse

Zeit

Schnitt / km

Klassenrang

Gesamtrang

-

RV Friesen Wien

-

3:54:52

4´ 53,6 ´´

-

24. (von 30)

 

Abschließend möchte ich mich bei meinen beiden Ruderkollegen recht herzlich bedanken, wir haben als Lackenruderer aus der Großstadt ein historisches Ergebnis eingefahren.

In der langjährigen Geschichte des Rudervereins Friesen Wien hatten bisher noch nie drei Teilnehmer bei der Rose vom Wörthersee teilgenommen. Obacht dem Mut sämtlicher Teilnehmer, sich trotz eingeschränkter Vorbereitung dieser Herausforderung zu stellen. Dank gilt auch dem Obmann des WRK Argonauten, Thomas Drucker, der unser Renngerät auf deren Bootsanhänger unbeschadet transportieren ließ.

 

Das Fazit:

… wie schon der allseits bekannte Roberto Blanco anno 1972 trällerte: „… ein bisschen Spaß muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein“

Diese durch Willy Koska und sein Team professionell organisierte Ruderregatta hat sich mittlerweile weit über die Grenzen unseres Alpenlandes hinaus einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Ein reibungsloser Rennablauf, das tolle Wetter im sonnigen Süden Österreichs und zu guter Letzt auch das gute Bier machten uns die Stunden in Kärnten zu einem Leckerbissen im alljährlichen Ruderkalender. Einer weiteren Teilnahme im kommenden Jahre steht nun eigentlich Nichts mehr im Wege. Vielleicht kämpfen im Jahre 2009 zwei Friesen Teams um die Vorherrschaft am Wörthersee.

Jedem, der noch nie das Flair dieses Großereignisses miterlebt hat, sollte dieser Erlebnisaufsatz Anreiz genug sein, um bei der „Rose vom Wörthersee – 2009 “ seine Muskeln zum Weinen zu bringen.

 

 

Die Rosenkavaliere des RV Friesen, Roland Schuecker, Dieter Stanzel und Michael Kornfeind


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