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Rose vom Wörthersee  13.Oktober2007

... oder die Geschichte eines Friesen der auszog um den Wörthersee zu queren. Ein Erlebnisbericht.

Über die mittlerweile gößte Skiff - Langstreckenruderregatta Europas sind breits viele Geschichten geschrieben worden, auch die folgenden Zeilen sollen ein weiterer Anlauf sein um meine Eindrücke über diese Veranstaltung festzuhalten.

Für all jene die sich besorgt über meinen psychischen Zustand zeigen, eines vorweg: Verhaltensauffälliges Erscheinungsbild liegt nicht vor. Wer sich zu den Zusehern der vergangenen ÖVMSTM an der Alten Donau zählen durfte, hat vermutlich mitbekommen dass sich während der obligatorischen Nachbesprechung ein richtiger „Hipe“ über eine mögliche od. zukünftige Teilnahme an der Rose vom Wörthersee aufgeschaukelt hat. Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass es sich hier um typisches Prunftverhalten der Herbstzeit gehandelt hat um den anwesenden Damen zu imponieren.

Meine Teilnahmeentscheidung fiel eher kurzfristig aber dafür mit vollster innerer Überzeugung. Nachdem der Regattaplatzsprecher am abschließenden Renntag der ÖVMSTM, während des grandiosen Zieleinlaufs unseres Vierers,  die aufmunternden Worte: „ ... und auf Platz 3 die älteren Herren der Friesen ... “ versuchte Erfahrung, Routine und Kraft zu umschreiben, war es Zeit ein Zeichen zu setzen.

Mich haben diese Worte besonders getroffen, da ich diese Regatta nicht nur zu meiner persönlichen betreibe, sondern auch als sozialen Dienst für die Allgemeinheit betrachte. Ich hatte schließlich dafür gesorgt, dass die „echten“ älteren Herren wieder an die frische Luft kamen.

Abgesehen von meiner Ehegattin bei der sich eine übermässige Adrenalinausschüttung einstellte, als Sie von meinem Vorhaben erfuhr, war ich fest davon überzeugt den Wörthersee im 1x durchqueren zu wollen. Der Gedanke an diese Langstreckenregatta hat mich zu einem „Monster-Trainingsprogramm“ im Einer hingerissen, natürlich nur für meine bescheidenen Verhältnisse. Abgeshen von meiner inneren Überzeugung hat nicht gerade viel für eine Teilnahme im heurigen Jahr gesprochen:

  • Ruderkilometer im 1x (Jahr 2007) :      0 km
  • Letzte Regattateilnahme im 1x:             historisch nicht mehr nachvollziehbar
  • Längste Regattadistanz im 1x:             1000 m
  • Regattateilnahmen im Jahr 2007:         1 Stk.
  • Regattadistanz „Rose vom Wörthersee“:16 km

Mir blieben letztendlich exakt 3 Wochen Vorbereitungszeit um meinem Körper den letzten Schliff zu verpassen. Das Bootsmaterial war rasch gefunden: Es sollte sich um den renovierten SALANI - Holzeiner meines Vaters handeln, der bereits einige Geschichten erzählen kann und sich mittlerweile in seinem 3. Bootslebensjahrzent befindet. Die erste Trainingswoche war härter als gedacht, speziell die Blasen an den Händen haben Ihres dazu beigetragen.

Nachdem ich die ersten „härteren“ Runden um die Alte Donau gerudert hatte konnte ich  mir noch überhaupt nicht vorstellen wie ich die 16 km ohne Wende (= kurze Pause) überleben sollte. Für all jene die einen See mit dem Ruderboot bereits errudern durften brauche ich wohl nicht zu erwähnen, dass dieser noch zusätzlich einige Gemeinheiten zu bieten hat.

Nach den drei Wochen und einem Einer Trainingspensum welches mein Körper noch nie mitmachen mußte, fühlte ich mich top-fit für diese Herausforderung. Um das Letzte aus meinem Organismus rauszuholen, konnte ich während dieser Zeit mein Körpergewicht um sagenhafte 500g senken. Ich stieg in Velden mit exakt 82,5 kg Kampfgewicht ins Boot.

Vermutlich hat mein Engagement, die im Training verlorene Flüssigkeit und Körpersubstanz auszugleichen, eine massivere Gewichtsabnahme während der Vorbereitungszeit verhindert.

 

Nun aber wieder zurück zum Wesentlichen:

Die „Rose vom Wörthersee“ ist eine Langstreckenruderregatta exklusiv für Skiff Ruderer. Die Strecke führt über die gesamte Länge des Wörthersees, der Start befindet sich in Bucht von Velden, das Ziel ist auf der Höhe des Fahnemasts beim RV Albatros in Klagenfurt. Die Strecke entspricht exakt dem Verlauf welcher auch beim „Blauen Band vom Wörthersee“ ,der Achterausgabe dieses Rennens, zu rudern ist.

Fakten & Daten zum Rennen:

  • Regattadatum ...          13. Oktober 2007-10-22
  • Startzeit ...                   11:00 Uhr
  • Streckenlänge ...          16 km
  • Teilnehmerzahl ...         182 (gewertet)
  • Wetterbedingungen ... Sonnenschein, Windstille, keine Wellen, optimales Ruderwetter
  • Bootsplätze ...             Kurpark Velden & „Cap Wörth“ ( = Jugendherberge Velden)

Anreise:

Ich habe meinen Einer bei den ARGO’s mitgeben können und hatte zusätzlich noch den Vorteil, auf die Erfahrung von Thomas Drucker zurückgreifen zu können, der sich bereits zu den „Rose – Ruderern“ der vergangenen Jahre zählen darf. Wir, meine Familie plus das Boot, reisten bereits am Freitag an und konnten somit ohne Hektik dem Rennen entgegen sehen. Mein Boot wurde bestens betreut und zum Glück schadensfrei direkt in die Parkgelände der Jugendherberge geliefert. Hier ein großes Dankeschön an Thomas für dieses tolle Service. Aufgrund eines privaten Besuchs eines guten Freundes habe ich nicht am offiziellen Empfang der Ruderer im Casino Velden teilgenommen.

 

Renntag:

Ich habe bisher schon viele Regattaplätze gesehen, aber noch nie einen bei dem man auschließlich Einer rumliegen sah. Geschätzt waren es ca. 100 Boote verschiedenster Hersteller und Ausführungen. Vom Holzboot bis zum High-End Kohlefaser Boot war Alles vertreten.

Cap Wörth (so heißt das Plätzchen tatsächlich) liegt knapp 2 km östlich von Velden und bietet eine optimale Lage um sich vor dem Rennbeginnn noch warm zu fahren. Es existiert zwar kein Bootssteg, dafür aber ein sehr flacher Steinstrand von dem aus ein Wasserstart praktiziert wird. Zu dieser Jahreszeit eine feine Kneippkur um die Beinvenen morgendlich in Schwung zu kriegen.

Am Wege nach Velden bekommt man langsam ein Bild vom gesamten Ausmaß dieser Veranstaltung. Die Veldener Bucht gleicht mehr und mehr einem Gartenteich der vollkommen mit Wasserläufern übersäht ist, in diesem Falle so weit das Auge reicht Einer Ruderer. Theoretisch existiert eine Fahrordnung, die einen reibungslosen und unfallfreien Ablauf gewährleisten soll. Problem an der Sache ist, leider wie so oft, die Eigenverantwortung der einzelnen Ruderer, die sich nicht an diese halten. Hier ist es ein echtes problem nicht nach vorne blicken zu können. Bei einigen Konkurrenten habe ich diverseste Rückspiegelvarianten erspähen können. Es ist leicht vorstellbar welch  gefährliche Situationen sich einstellen, wenn gleichzeitig fast 200 Einer rechtzeitig am Start stehen wollen.

Gestartet wird in Blöcken von jeweils 50 Booten und 3 min. Zeitabständen zwischen den einzelnen Blöcken. Die Startreihenfolge ( = Startblockzuordnung und Klassenzuordnung) erfolgt nach Geburtsjahr. Mit meinem jugendlichen Alter von 32 Jahren hatte ich die Ehre mit den schnellsten Ruderern des gesamten Feldes starten zu dürfen. Ich nachhinein hat sich dies nicht gerade als Vorteil erwiesen.

Zum Aufwärmen kam ich kaum, da ich fast ausschließlich damit beschäftigt war mich umzusehen und Kollisionen zu vermeiden. Ein Bootsschaden zu diesem Zeitpunkt hätte das vorzeitige Ende bedeutet.

Schließlich schaffte ich es pünktlich an die gedachte Startlinie, wo bereits alle anderen Mitstreiter in den Startlöchern scharrten. Kurz 11:00 Uhr erfolgte nach einigen Minuten des schwierigen Ausrichtens von 50 Booten der offizielle Startschuß. Ich kam vom Start gut weg, da ich mir einen Startplatz am äußerten Rande des Feldes gesichert habe. Ohne Kollisionen konnte ich die ersten beiden Kilometer rudern, war aber nicht überrascht das mich knapp 45 Gegner ziemlich „alt“ ausshen ließen. Die betreffenden Herren zogen es vor mit einer Schlagzahl von zumindest 30 Schlägen / min. abzuwetzen. Mir reichte zu diesem Zeitpunkt eine SZ von 22, ich hatte ja noch weitere 14 km vor mir. Also kein Grund zur Hektik. Der größte Nachteil meiner „ ... das Feld werde ich von hinten aufrollen“ Strategie war die Tatsache, dass ich auch noch die nächsten 3 – 4 km im Heckwasser all dieser Boote rudern musste. Diese Wasserbedingungen waren schlimmer als hinter einem Schiedsrichterboot nachzukoffern, da hier die Wellen und das durchgesprudelte Wasser aus verschiedensten Richtungen kamen.

Ab dem zweiten Renndrittel ( ab Rennkilometer 6) hat mein Rennen dannn tatsächlich begonnen. Den Eindruck zu diesem Zeitpunkt kann ich Euch nur bedingt schildern. Die Raser habe ich Ziehen lassen, die aufholdenen Nachzügler waren erst in der Ferne auszumachen. Der Wörthersee glich einer Invasion von Skiff Ruderern die sich gerade im Ansturm auf Klagenfurt befinden.

Ab diesem Zeitpunkt gingen nun auch die taktischen Einlagen los. Sollte man meinen mit einem klassichen „Zehner“ holt man sich einen Vorsprung heraus, der irrt. Abgesehen von einem zwischenzeitlichem Durchhänger von dem man sich kaum mehr erholt bringt das kaum etwas. Da ich mein Tempo ausschießlich über meine Pulswerte (Zielpuls 175 bis 180 S/min.) gesteuert habe, haben mich diese Spielchen anfänglich nur am Rande berührt.

Während wir an der malerischen Kulisse von Maria Wörth vorbeiruderten rief uns eine ältere Dame vom Bootssteg der Wörthereseeschiffafhrt sehr hilfreiche Worte zu: „ ... super Burschen, glei’ hobt’s es, nur mehr a paar Meterle ...“ Sie hat es sicherlich gut gemeint, aber in diesem Augenblick fand ich das überhaupt nicht witzig, vorallem weil ich noch knapp 7 km zu rudern hatte. Aus Ermangelung an Luft habe ich leider auf eine passende Antwort verzichten müssen.

Die zweite Rennhälfte war von harten Bord an Bord kämpfen gezeichnet. Mir ist es zu diesem Zeitpunkt gelungen, mich, an einige Start Sprinter aus meinem Block heranzukämpfen, die mittlerweile Ihrem jugendlichen Übermut Tribut zollen mußten und etwas Tempo und Schlagzahl herausgenommen hatten.

Was ich auch erst im Zuge des Rennverlaufs lernen musste war die, zwar etwas unsportliche, aber dennoch praktizierte, „ich bin zwar nicht wirklich schneller wie Du, mache Dir aber nettes Schmeißwasser“ Taktik einiger Konkurrenten. In der Praxis läuft das dann so ab: Auf gleicher Höhe wird eine Einlage über ~ 5 min. gefahren um sich ein bis zwei Bootslängen abzusetzen, mehr schaut dabei meist nicht heraus, anderfalls ist man danach platt. Danach steuert man exakt vor den Bug des kurz zuvor überruderten Bootes, fertig. Da zumeist mehrere Boote mit beinahe gleichen Tempo nebeneinander fahren gibt es nur bedingt Ausweichmöglichkeiten.

Mich hat es auch einige Male erwischt. Ab Maria Wörth ist in der Ferne bereits das Bootshaus des RV Albatros auszumachen, es ist aber immer noch verdammt weit weg. Sobald sich das Ziel deutlich nähert, kommt eine gewisse Unruhe im Feld auf. Mittlerweile spürt man von Kopf bis Fuß dass man bereits schlappe 13 km hinter sich hat, aber noch 3 harte Kilometer zu rudern sind. Erstaunlicherweise konnte ich mein Tempo noch steigern und meine Gegner noch ein wenig ärgern. Ab dem Zeitpunkt als ich den Startbereich der offiziellen Klagenfurter Regattastrecke (die Schilfbucht von Krumpendorf) sah, war mir klar: ab jetzt kann mich nur mehr eine unvorhersehbare Naturkatastrophe am Zieleinlauf hindern.

Ich versuchte die Schlagzahl auf das Maximum, welches zu diesem Zeitpunkt möglich war, zu treiben und raste mit wahnwitziger Geschwindigkeit den beiden riesigen Zielbojen beim RV Albatros entgegen. Es gibt zwar keine Videodokumente, ich befürchte aber dass die Bootsgeschwindigkeit konstant blieb und ich das Tempo nur auf der Rollbahn herausholen konnte. Zu diesem Zeitpunkt auch schon wurscht. Zumindest der Puls stimmte: 195 bis 197 S/min.

 

Ich war ernsthaft stolz auf mich, das Rennen ohne Einbruch gerudert zu haben und dies noch in einer Zeit von 1:15:37 was den 86. Gesamtrang unter 182 gewerteten Ruderern bedeutete.

Die Siegerzeit lag bei 1:04:18 und wurde von einem Ruderer der Giessener RG gefahren.

Zum Abschluß noch einige Worte für potenzielle Nachahmer für das kommende Jahr: Selbst wenn man keine Chance auf die vorderen Plätze hat, handelt es sich bei der Rose vom Wörthersee um eine einmalige Veranstaltung, mit der großen Chance das tolle Flair des Rudersports zu erleben. Dieses Rennen bietet die einmalige Möglichkeit dem Hetzen auf den klassischen Distanzen zu entkommen. Es setzt aber voraus, sich geistig auf ein Rennen einzustellen, wo man sich permanent mit neuen Schmerzen und Gegnern herumkämpfen darf.

Ich möchte diese Zeilen nutzen um allen anderen ruderbegeisterten Frischluftfanatikern einen Ansporn zu geben vielleicht im nächstem Jahr den RV Friesen mit mehr als einem Starter an dieser feinen Veranstaltung zu vertreten. Mich hat diese Regatta allemal begeistert und weiderum gezeigt zu welcher Leistung einer der „älteren Herren“ von den Friesen noch im Stande ist.

Schöne Grüße, Euer Ferry Jun.


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