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oder die Geschichte eines Friesen der auszog um den
Wörthersee zu queren. Ein Erlebnisbericht.
Über die mittlerweile gößte Skiff -
Langstreckenruderregatta Europas sind breits viele
Geschichten geschrieben worden, auch die folgenden
Zeilen sollen ein weiterer Anlauf sein um meine
Eindrücke über diese Veranstaltung festzuhalten.
Für all jene die sich besorgt über
meinen psychischen Zustand zeigen, eines vorweg:
Verhaltensauffälliges Erscheinungsbild liegt nicht vor.
Wer sich zu den Zusehern der vergangenen ÖVMSTM an der
Alten Donau zählen durfte, hat vermutlich mitbekommen
dass sich während der obligatorischen Nachbesprechung
ein richtiger „Hipe“ über eine mögliche od. zukünftige
Teilnahme an der Rose vom Wörthersee aufgeschaukelt hat.
Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass es sich
hier um typisches Prunftverhalten der Herbstzeit
gehandelt hat um den anwesenden Damen zu imponieren.
Meine Teilnahmeentscheidung fiel eher
kurzfristig aber dafür mit vollster innerer Überzeugung.
Nachdem der Regattaplatzsprecher am abschließenden
Renntag der ÖVMSTM, während des grandiosen Zieleinlaufs
unseres Vierers, die aufmunternden Worte: „ ... und auf
Platz 3 die älteren Herren der Friesen ... “ versuchte
Erfahrung, Routine und Kraft zu umschreiben, war es Zeit
ein Zeichen zu setzen.
Mich haben diese Worte besonders
getroffen, da ich diese Regatta nicht nur zu meiner
persönlichen betreibe, sondern auch als sozialen Dienst
für die Allgemeinheit betrachte. Ich hatte schließlich
dafür gesorgt, dass die „echten“ älteren Herren wieder
an die frische Luft kamen.
Abgesehen von meiner Ehegattin bei
der sich eine übermässige Adrenalinausschüttung
einstellte, als Sie von meinem Vorhaben erfuhr, war ich
fest davon überzeugt den Wörthersee im 1x durchqueren zu
wollen. Der Gedanke an diese Langstreckenregatta hat
mich zu einem „Monster-Trainingsprogramm“ im Einer
hingerissen, natürlich nur für meine bescheidenen
Verhältnisse. Abgeshen von meiner inneren Überzeugung
hat nicht gerade viel für eine Teilnahme im heurigen
Jahr gesprochen:
-
Ruderkilometer im 1x (Jahr 2007)
: 0 km
-
Letzte Regattateilnahme im 1x:
historisch nicht mehr nachvollziehbar
-
Längste Regattadistanz im 1x:
1000 m
-
Regattateilnahmen im Jahr
2007: 1 Stk.
-
Regattadistanz „Rose vom
Wörthersee“:16 km
Mir blieben letztendlich exakt 3
Wochen Vorbereitungszeit um meinem Körper den letzten
Schliff zu verpassen. Das Bootsmaterial war rasch
gefunden: Es sollte sich um den renovierten SALANI -
Holzeiner meines Vaters handeln, der bereits einige
Geschichten erzählen kann und sich mittlerweile in
seinem 3. Bootslebensjahrzent befindet. Die erste
Trainingswoche war härter als gedacht, speziell die
Blasen an den Händen haben Ihres dazu beigetragen.
Nachdem ich die ersten „härteren“
Runden um die Alte Donau gerudert hatte konnte ich mir
noch überhaupt nicht vorstellen wie ich die 16 km ohne
Wende (= kurze Pause) überleben sollte. Für all jene die
einen See mit dem Ruderboot bereits errudern durften
brauche ich wohl nicht zu erwähnen, dass dieser noch
zusätzlich einige Gemeinheiten zu bieten hat.
Nach den drei Wochen und einem Einer
Trainingspensum welches mein Körper noch nie mitmachen
mußte, fühlte ich mich top-fit für diese
Herausforderung. Um das Letzte aus meinem Organismus
rauszuholen, konnte ich während dieser Zeit mein
Körpergewicht um sagenhafte 500g senken. Ich stieg in
Velden mit exakt 82,5 kg Kampfgewicht ins Boot.
Vermutlich hat mein Engagement, die
im Training verlorene Flüssigkeit und Körpersubstanz
auszugleichen, eine massivere Gewichtsabnahme während
der Vorbereitungszeit verhindert.
Nun aber wieder zurück zum
Wesentlichen:
Die „Rose vom Wörthersee“ ist eine
Langstreckenruderregatta exklusiv für Skiff Ruderer. Die
Strecke führt über die gesamte Länge des Wörthersees,
der Start befindet sich in Bucht von Velden, das Ziel
ist auf der Höhe des Fahnemasts beim RV Albatros in
Klagenfurt. Die Strecke entspricht exakt dem Verlauf
welcher auch beim „Blauen Band vom Wörthersee“ ,der
Achterausgabe dieses Rennens, zu rudern ist.
Fakten & Daten zum Rennen:
-
Regattadatum ... 13.
Oktober 2007-10-22
-
Startzeit ...
11:00 Uhr
-
Streckenlänge ... 16 km
-
Teilnehmerzahl ... 182
(gewertet)
-
Wetterbedingungen ...
Sonnenschein, Windstille, keine Wellen, optimales
Ruderwetter
-
Bootsplätze ...
Kurpark Velden & „Cap Wörth“ ( = Jugendherberge
Velden)
Anreise:
Ich habe meinen Einer bei den ARGO’s
mitgeben können und hatte zusätzlich noch den Vorteil,
auf die Erfahrung von Thomas Drucker zurückgreifen zu
können, der sich bereits zu den „Rose – Ruderern“ der
vergangenen Jahre zählen darf. Wir, meine Familie plus
das Boot, reisten bereits am Freitag an und konnten
somit ohne Hektik dem Rennen entgegen sehen. Mein Boot
wurde bestens betreut und zum Glück schadensfrei direkt
in die Parkgelände der Jugendherberge geliefert. Hier
ein großes Dankeschön an Thomas für dieses tolle
Service. Aufgrund eines privaten Besuchs eines guten
Freundes habe ich nicht am offiziellen Empfang der
Ruderer im Casino Velden teilgenommen.
Renntag:
Ich habe bisher schon viele
Regattaplätze gesehen, aber noch nie einen bei dem man
auschließlich Einer rumliegen sah. Geschätzt waren es
ca. 100 Boote verschiedenster Hersteller und
Ausführungen. Vom Holzboot bis zum High-End Kohlefaser
Boot war Alles vertreten.
Cap Wörth (so heißt das Plätzchen
tatsächlich) liegt knapp 2 km östlich von Velden und
bietet eine optimale Lage um sich vor dem Rennbeginnn
noch warm zu fahren. Es existiert zwar kein Bootssteg,
dafür aber ein sehr flacher Steinstrand von dem aus ein
Wasserstart praktiziert wird. Zu dieser Jahreszeit eine
feine Kneippkur um die Beinvenen morgendlich in Schwung
zu kriegen.
Am Wege nach Velden bekommt man
langsam ein Bild vom gesamten Ausmaß dieser
Veranstaltung. Die Veldener Bucht gleicht mehr und mehr
einem Gartenteich der vollkommen mit Wasserläufern
übersäht ist, in diesem Falle so weit das Auge reicht
Einer Ruderer. Theoretisch existiert eine Fahrordnung,
die einen reibungslosen und unfallfreien Ablauf
gewährleisten soll. Problem an der Sache ist, leider wie
so oft, die Eigenverantwortung der einzelnen Ruderer,
die sich nicht an diese halten. Hier ist es ein echtes
problem nicht nach vorne blicken zu können. Bei einigen
Konkurrenten habe ich diverseste Rückspiegelvarianten
erspähen können. Es ist leicht vorstellbar welch
gefährliche Situationen sich einstellen, wenn
gleichzeitig fast 200 Einer rechtzeitig am Start stehen
wollen.
Gestartet wird in Blöcken von jeweils
50 Booten und 3 min. Zeitabständen zwischen den
einzelnen Blöcken. Die Startreihenfolge ( =
Startblockzuordnung und Klassenzuordnung) erfolgt nach
Geburtsjahr. Mit meinem jugendlichen Alter von 32 Jahren
hatte ich die Ehre mit den schnellsten Ruderern des
gesamten Feldes starten zu dürfen. Ich nachhinein hat
sich dies nicht gerade als Vorteil erwiesen.
Zum Aufwärmen kam ich kaum, da ich
fast ausschließlich damit beschäftigt war mich umzusehen
und Kollisionen zu vermeiden. Ein Bootsschaden zu diesem
Zeitpunkt hätte das vorzeitige Ende bedeutet.
Schließlich schaffte ich es pünktlich
an die gedachte Startlinie, wo bereits alle anderen
Mitstreiter in den Startlöchern scharrten. Kurz 11:00
Uhr erfolgte nach einigen Minuten des schwierigen
Ausrichtens von 50 Booten der offizielle Startschuß. Ich
kam vom Start gut weg, da ich mir einen Startplatz am
äußerten Rande des Feldes gesichert habe. Ohne
Kollisionen konnte ich die ersten beiden Kilometer
rudern, war aber nicht überrascht das mich knapp 45
Gegner ziemlich „alt“ ausshen ließen. Die betreffenden
Herren zogen es vor mit einer Schlagzahl von zumindest
30 Schlägen / min. abzuwetzen. Mir reichte zu diesem
Zeitpunkt eine SZ von 22, ich hatte ja noch weitere 14
km vor mir. Also kein Grund zur Hektik. Der größte
Nachteil meiner „ ... das Feld werde ich von hinten
aufrollen“ Strategie war die Tatsache, dass ich auch
noch die nächsten 3 – 4 km im Heckwasser all dieser
Boote rudern musste. Diese Wasserbedingungen waren
schlimmer als hinter einem Schiedsrichterboot
nachzukoffern, da hier die Wellen und das
durchgesprudelte Wasser aus verschiedensten Richtungen
kamen.
Ab dem zweiten Renndrittel ( ab
Rennkilometer 6) hat mein Rennen dannn tatsächlich
begonnen. Den Eindruck zu diesem Zeitpunkt kann ich Euch
nur bedingt schildern. Die Raser habe ich Ziehen lassen,
die aufholdenen Nachzügler waren erst in der Ferne
auszumachen. Der Wörthersee glich einer Invasion von
Skiff Ruderern die sich gerade im Ansturm auf Klagenfurt
befinden.
Ab diesem Zeitpunkt gingen nun auch
die taktischen Einlagen los. Sollte man meinen mit einem
klassichen „Zehner“ holt man sich einen Vorsprung
heraus, der irrt. Abgesehen von einem zwischenzeitlichem
Durchhänger von dem man sich kaum mehr erholt bringt das
kaum etwas. Da ich mein Tempo ausschießlich über meine
Pulswerte (Zielpuls 175 bis 180 S/min.) gesteuert habe,
haben mich diese Spielchen anfänglich nur am Rande
berührt.
Während wir an der malerischen
Kulisse von Maria Wörth vorbeiruderten rief uns eine
ältere Dame vom Bootssteg der Wörthereseeschiffafhrt
sehr hilfreiche Worte zu: „ ... super Burschen, glei’
hobt’s es, nur mehr a paar Meterle ...“ Sie hat es
sicherlich gut gemeint, aber in diesem Augenblick fand
ich das überhaupt nicht witzig, vorallem weil ich noch
knapp 7 km zu rudern hatte. Aus Ermangelung an Luft habe
ich leider auf eine passende Antwort verzichten müssen.
Die zweite Rennhälfte war von harten
Bord an Bord kämpfen gezeichnet. Mir ist es zu diesem
Zeitpunkt gelungen, mich, an einige Start Sprinter aus
meinem Block heranzukämpfen, die mittlerweile Ihrem
jugendlichen Übermut Tribut zollen mußten und etwas
Tempo und Schlagzahl herausgenommen hatten.
Was ich auch erst im Zuge des
Rennverlaufs lernen musste war die, zwar etwas
unsportliche, aber dennoch praktizierte, „ich bin zwar
nicht wirklich schneller wie Du, mache Dir aber nettes
Schmeißwasser“ Taktik einiger Konkurrenten. In der
Praxis läuft das dann so ab: Auf gleicher Höhe wird eine
Einlage über ~ 5 min. gefahren um sich ein bis zwei
Bootslängen abzusetzen, mehr schaut dabei meist nicht
heraus, anderfalls ist man danach platt. Danach steuert
man exakt vor den Bug des kurz zuvor überruderten
Bootes, fertig. Da zumeist mehrere Boote mit beinahe
gleichen Tempo nebeneinander fahren gibt es nur bedingt
Ausweichmöglichkeiten.
Mich hat es auch einige Male
erwischt. Ab Maria Wörth ist in der Ferne bereits das
Bootshaus des RV Albatros auszumachen, es ist aber immer
noch verdammt weit weg. Sobald sich das Ziel deutlich
nähert, kommt eine gewisse Unruhe im Feld auf.
Mittlerweile spürt man von Kopf bis Fuß dass man bereits
schlappe 13 km hinter sich hat, aber noch 3 harte
Kilometer zu rudern sind. Erstaunlicherweise konnte ich
mein Tempo noch steigern und meine Gegner noch ein wenig
ärgern. Ab dem Zeitpunkt als ich den Startbereich der
offiziellen Klagenfurter Regattastrecke (die Schilfbucht
von Krumpendorf) sah, war mir klar: ab jetzt kann mich
nur mehr eine unvorhersehbare Naturkatastrophe am
Zieleinlauf hindern.
Ich versuchte die Schlagzahl auf das
Maximum, welches zu diesem Zeitpunkt möglich war, zu
treiben und raste mit wahnwitziger Geschwindigkeit den
beiden riesigen Zielbojen beim RV Albatros entgegen. Es
gibt zwar keine Videodokumente, ich befürchte aber dass
die Bootsgeschwindigkeit konstant blieb und ich das
Tempo nur auf der Rollbahn herausholen konnte. Zu diesem
Zeitpunkt auch schon wurscht. Zumindest der Puls
stimmte: 195 bis 197 S/min.
Ich war ernsthaft stolz auf mich, das
Rennen ohne Einbruch gerudert zu haben und dies noch in
einer Zeit von 1:15:37 was den 86. Gesamtrang unter 182
gewerteten Ruderern bedeutete.
Die Siegerzeit lag bei 1:04:18 und
wurde von einem Ruderer der Giessener RG gefahren.
Zum Abschluß noch einige Worte für
potenzielle Nachahmer für das kommende Jahr: Selbst wenn
man keine Chance auf die vorderen Plätze hat, handelt es
sich bei der Rose vom Wörthersee um eine einmalige
Veranstaltung, mit der großen Chance das tolle Flair des
Rudersports zu erleben. Dieses Rennen bietet die
einmalige Möglichkeit dem Hetzen auf den klassischen
Distanzen zu entkommen. Es setzt aber voraus, sich
geistig auf ein Rennen einzustellen, wo man sich
permanent mit neuen Schmerzen und Gegnern herumkämpfen
darf.
Ich möchte diese Zeilen nutzen um
allen anderen ruderbegeisterten Frischluftfanatikern
einen Ansporn zu geben vielleicht im nächstem Jahr den
RV Friesen mit mehr als einem Starter an dieser feinen
Veranstaltung zu vertreten. Mich hat diese Regatta
allemal begeistert und weiderum gezeigt zu welcher
Leistung einer der „älteren Herren“ von den Friesen noch
im Stande ist.
Schöne Grüße, Euer Ferry Jun.
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